Kernen im Remstal - Geliebt von Römern, Fürsten und Edelfrauen

Weinbau-Museum in der Glockenkelter

Mag der eine oder andere Historiker auch daran zweifeln, dass die Römer den Weinbau nach Württemberg gebracht haben, in Kernen ist man sich da ganz sicher. Schließlich wurde auf Rommelshausener Markung ein Rebmesser aus der Römerzeit gefunden und die "villa rustica", ein römischer Gutshof, der 1971 freigelegt wurde. Die Eigner dieser Villa unter den Hartäckern haben jedenfalls den Standortvorteil ihrer Finca erkannt und für den Weinbau genutzt. Auch alle Fürstenhäuser, die sich nach dem Mittelalter den Besitz zwischen Yburg und dem Aussichtshügel "Kernen" sicherten, wussten den Wein zu schätzen. So wie der Wein die mehr oder weniger hohen Herren im wahren Wortsinn "g`lüschtig" auf Stetten machte, so ist der Rebensaft auch heute noch wichtigster Magnet für einen Besuch in dem schmucken Ortsteil von Kernen.
Von 1712 bis 1731 gehörten Schloss und Dorf der Christina Wilhelmina von Grävenitz, die als "regierende Mätresse" des württembergischen Barockherrschers Eberhard Ludwig von Stetten aus das Land regierte und für ihre rauschenden Feste in den Schlossanlagen bekannt war. Mit ihrem Gefolge feierten Herzog und Mätresse einmal sieben Wochen lang am Stück. Dabei sollen 20.000 Liter "Stettener" den Weg allen Weines geflossen sein.

Altes Rathaus Stetten

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Kernen zur attraktiven, schaffigen Wohn-, Werk- und Einkaufsgemeinde entwickelt - mit einem lebendigen Kultur- und Vereinsleben.
Ein Trimm-Dich-Pfad, Frei- und Hallenbad, gut beschilderte Pfade und der Stettener Weinweg bieten alle Möglichkeiten körperlicher Ertüchtigung. Die Yburg, einst Sitz der Truchsessen von Stetten, ist ein ebenso wichtiges Baudenkmal wie die historische Glockenkelter zu Füßen der Burgruine.

Das Schloss im Herzen der Gemeinde diente bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts auch als Ruhesitz der Witwen württembergischer Herzöge. Einer dieser Edelfrauen wird die Namensgebung für eine berühmte Stettener Riesling-Lage zugeschrieben. Weil die Witwe ihre Trinkfreude kaschieren wollte, ließ sie sich den Wein - wie Wasser - in einem Steinkrug servieren und "tunkte" ihr Brot ein, so wie man zu jener Zeit auch Anisbrot in Zuckerwasser tauchte. Deshalb heißt der Riesling auf einem besonders guten Flurstück heute "Brotwasser". Die Einzellage ist noch immer im Besitz der Herzoglichen Hofkammer - jetzt Weingut des Hauses Württemberg - und eine der letzten Trockenmauer-Steillagen des Remstals.

Karl-Mauch-Turnhalle Stetten

Das Schloss allerdings wurde bereits 1863 verkauft - es beherbergt heute die vorbildlichen Anlagen der Diakonie zur Betreuung, Ausbildung und Förderung von Behinderten. Weitere berühmte Weine aus Stetten sind der "Pulvermächer", der "Lindhälder" und der "Häder". Dass man sich bei einer Probe in einem Weingut oder in der Remstalkellerei von den besonderen Qualitäten der heimischen Gewächse überzeugen kann, versteht sich ebenso von selbst, wie die optimale Verbindung von Küchenkunst und Kellermeisterschaft in der renommierten Gastronomie. Schon die Vielfalt der Kfz-Kennzeichen auf den Parkplätzen der Landgasthöfe und Weinstuben untermauert den kulinarischen Ruf Kernens.